Karneval in Venedig 2026: Das Geheimnis der echten Fritole im Palazzo Morosini
Venedig versinkt im Februar in einem Meer aus Farben und Masken. Doch abseits der Kanäle lockt ein ganz besonderer Duft die Menschen an. Es riecht nach heißem Öl, Zucker und süßen Rosinen. Die Rede ist von der Fritola, dem heimlichen Star des venezianischen Karnevals. Dieses Gebäck ist viel mehr als nur ein einfacher Krapfen. Es verkörpert die Geschichte und den Stolz einer ganzen Region. Im prachtvollen Palazzo Morosini feierten die Venezianer am Freitag die Tradition der „Fritole e fritoleri“.
Ein Rezept aus längst vergangenen Zeiten
Die Zutaten klingen simpel: Eier, Mehl, Zucker, Pinienkerne und Rosinen. Doch die Mischung macht den Unterschied. Das Originalrezept liegt heute sicher verwahrt in der Nationalbibliothek in Rom. Schon im 18. Jahrhundert ernannten die Herrscher die Fritola zur National-Süßspeise des Staates Venetien. Damals reichten die Verkäufer das Gebäck auf Holzspießen an die Kunden. So verbrannten sich die feinen Herrschaften nicht die Finger.
Früher gab es sogar eine eigene Zunft für die Bäcker, die sogenannten „Fritoleri“. Diese Handwerker hatten ihren Sitz in der Kirche della Maddalena. Jeder Bäcker besaß ein festes Viertel in der Stadt. Nur dort durfte er seine süßen Waren anbieten. Diese Tradition lebt bis heute weiter, wie die aktuelle Veranstaltung eindrucksvoll zeigt.
Der Wettstreit um die beste Fritola
In diesem Jahr lud das Hotelinstitut Barbarigo zu einem spannenden Wettbewerb ein. Konditoreien und Schulen kämpften um den Titel der besten Frittelle. Die Jury bewertete die Ergebnisse streng nach den Regeln des Gastronomen Giuseppe Maffioli. Am Ende jubelte die Pasticceria Cosetta über den ersten Platz. Das Institut Barbarigo sicherte sich den zweiten Rang, gefolgt vom berühmten Caffè Florian.
Auch die Politik feierte kräftig mit. Stadtrat Simone Venturini lobte das Engagement der jungen Talente im Palazzo Morosini. Er bezeichnete die Schüler als künftige Botschafter der venezianischen Küche. Die Schule zeigt den Jugendlichen, dass Erfolg harte Arbeit bedeutet. Mit Fantasie und Fleiß werden sie später zu außergewöhnlichen Köchen oder Konditoren.
Olympia trifft auf süßes Handwerk
Ein Highlight der diesjährigen Feier war das „Eis der Olympischen Spiele“. Passend zum Karnevalsmotto kreierten die Eismacher ein Rezept mit Zutaten aus fünf Kontinenten. Rosinen aus Chile trafen auf Kaffee aus Uganda und Macadamia-Nüsse aus Australien. Vanille und Mascarpone rundeten das Erlebnis ab. Die Schüler des Barbarigo-Instituts passten ihre Frittelle direkt an dieses Thema an.
Stadtrat Sebastiano Costalonga betonte die Bedeutung der Gastronomie für Venedig. Die Stadt will die Königin der Kultur bleiben. Dazu gehört eben auch die Meisterschaft in der Küche. Touristen kommen nicht nur wegen der alten Paläste. Sie suchen das echte Erlebnis und den guten Geschmack. Die Fritola ist dabei das süße Herzstück, das die Menschen seit Jahrhunderten verbindet.
